Willkommen am Spittelberg!


Die Vorstadt Spittelberg entstand erstmals in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts,
als die damalige Grundherrschaft, Karl Freiherr von Kirchberg, die Gründe parzellierte
und vermietete. Nach der Zerstörung dieser ersten Siedlung während der 2.Türken-
belagerung gelangten die Gründe in den Besitz des Bürgerspitals (Spitalberg >>
Spittelberg), wurden neu parzelliert und dicht verbaut.

Die kleinen verwinkelten Häuser wurden platzsparend ohne Höfe oder Gärten, häufig
als Durchhäuser gebaut. Gebaut wurde meist zweistöckig. Im Erdgeschoß gab es kleine
Läden oder Gastwirtschaften (zumindest jedes zweite Haus beherbergte ein Wirtshaus,
eine Tanzstube oder ähnliches), im Obergeschoß waren Wohnungen. Die Wohnungen
waren klein und billig. Rasch füllten sich die Häuser mit Menschen, die sich nichts
anderes leisten konnten, Taglöhner, Dienstboten, kleine Handwerker, aber auch
Angehörige sozialer Randschichten wie Spielleute, Gaukler und Prostituierte.

Die zahlreichen Wirtshäuser mit Glücksspiel und als Kellnerinnen getarnten Prostituierten, die "Tanzstuben", die nichts anderes als Bordelle waren - der Spittelberg erwarb zu Recht europaweit immer mehr den Ruf der Lasterhaftigkeit. Im Jahre 1850 kam der eigenständige Ort als Teil des neuen Bezirkes Neubau (7. Bezirk) zu Wien, was nichts daran änderte, dass der Spittelberg bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts ein Rotlichtviertel war.

Während der Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren begann der Niedergang des Viertels. Ende der 1960er Jahre waren die inzwischen verfallenden Häuser zum Spekulationsobjekt geworden, man wollte sie abreißen und ein "modernes" Wohnviertel mit guten Renditen errichten. Erste Häuser wurden abgebrochen. Nach heftigen Protesten wurde das Viertel 1973 unter Ensembleschutz gestellt und Möglichkeiten zur Erhaltung und Revitalisierung des Gebietes diskutiert. Die Stadt Wien erwarb zahlreiche Häuser, die ebenso restauriert wurden wie die noch bestehenden Häuser in Privatbesitz.

Schmale Gassen mit liebevoll renovierten Barock- und Biedermeierhäusern vermitteln heute wieder baulich einen Eindruck vom ursprünglichen Spittelberg - die liederlichen Zeiten sind allerdings vorbei.

Die Kunsthandwerksmärkte am Spittelberg

Nach der Renovierung der Häuser am Spittelberg wurden in dem erneuerten Viertel
zu günstigen Bedingungen an Künstler Ateliers und Wohnungen vermietet. Die Stadt
Wien wollte ein Künstlerviertel ähnlich dem Montmartre in Paris etablieren.  
Um ihre Werke verkaufen zu können, organisierten die nun hier ansässigen Künstler
im Jahre 1979 in der Spittelberggasse einen Weihnachtsmarkt - der erste
Kunsthandwerksmarkt Österreichs war in der stimmungsvollen Gasse entstanden.

Ab 1980 veranstalteten die Künstler, die inzwischen im "Verein zur Förderung des
Spittelbergs" organisiert waren, diese Kunsthandwerksmärkte regelmäßig im
Sommer und zu Weihnachten. Vor allem der Weihnachtsmarkt erfreute sich
innerhalb kürzester Zeit großer Beliebtheit und hatte wegen seines qualitätsvollen
Angebots einen sehr guten Ruf.
1987/88 begann eine Gruppe von Spittelberg-Künstlern mit Märkten im
Heiligenkreuzerhof in der Wiener Innenstadt, sechs Jahre später verließen viele
Künstler des Vereins den Spittelberg, gründeten den Verein "divina art" und veranstalten seit Dezember 1994 ihre Märkte am Karlsplatz.

Am Spittelberg blieb das "Forum Spittelberg", das anfangs noch Sommermärkte und verschiedene Themenmärkte veranstaltete, sich aber schließlich auf den Weihnachtsmarkt beschränkte, der auch heute noch großen Zulauf hat.

Nachdem es durch mehrere Jahre am Spittelberg nur den Weihnachtsmarkt gegeben hatte, begann der Verein "Kunst+Handwerk vom Künstler" (der Nachfolgeverein der Künstlergruppe im Heiligenkreuzerhof) im Jahre 2006 erstmals wieder mit der Organisation von Sommermärkten in der Spittelberggasse. Im Advent und zu Ostern veranstaltete derselbe Verein jeweils Märkte auf dem Platz Am Hof in der Wiener Innenstadt.

Ab 2012 trennen die Veranstalter die Märkte in der Wiener Innenstadt und die Sommermärkte im 7. Bezirk am Spittelberg.
Von Mai 2012 an ist der Verein "Raum für Kunst+Handwerk" der neue Veranstalter für die sommerlichen Kunsthandwerksmärkte am Spittelberg.

Der Verein wird ehrenamtlich von Kunsthandwerkern geleitet, die die Bedürfnisse und Probleme dieser Gruppe kennen.
Künstler und Kunsthandwerker können auf den Märkten ihre Produkte kostengünstig im öffentlichen Raum ausstellen. Die Künstler präsentieren und verkaufen ihre Arbeiten selbst, was den Besuchern den direkten Kontakt zum Erzeuger der Kunstwerke ermöglicht.
Um eine hohe Qualität der angebotenen Produkte zu gewährleisten, dürfen an den Märkten nur Aussteller teilnehmen, die zuvor eine fachkundige Jury überzeugen konnten.

Während die Zahl der Adventmärkte, auch mit Kunsthandwerk, von Jahr zu Jahr zunimmt, gibt es derzeit in Wien während des Jahres keine Gelegenheit, künstlerische Arbeiten regelmäßig auf reinen Künstlermärkten anzubieten. Die Sommermärkte des Vereins "Raum für Kunst+Handwerk" bieten Künstlern diese Gelegenheit von Mai bis Oktober im malerischen Ambiente der Spittelberggasse im 7. Bezirk.